Der Leichenwagen, der den Sarg von Königin Elizabeth II. trägt, verlässt die St.-Giles-Kathedrale auf dem Weg zum Flughafen von Edinburgh. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Scott Heppell/PA Wire/dpa)

Der Sarg von Queen Elizabeth II. ist auf dem Weg nach London. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon und der britische Schottland-Minister Alister Jack standen dabei, als eine Ehrengarde am Flughafen der schottischen Hauptstadt Edinburgh der toten Queen einen letzten Gruß entbot.

Träger brachten den Sarg an Bord einer Transportmaschine der britischen Luftwaffe. Die britische Nationalhymne wurde gespielt, dann hob das Flugzeug vom Typ C-17 Globemaster ab. An Bord waren auch Queen-Tochter Prinzessin Anne und ihr Ehemann, Admiral Tim Laurence.

Die Maschine sollte knapp eine Stunde später auf der Luftwaffenbasis RAF Northolt im Westen von London landen. Von dort wird der Sarg dann zum Buckingham-Palast gefahren, wo er von König Charles III. empfangen wird und über Nacht im sogenannten Bow Room bleibt. Am Mittwoch führt eine Trauerprozession den Sarg ins Parlament, wo die Queen für mehrere Tage aufgebahrt wird.

Noch vor Sonnenaufgang probten am Dienstag schon Tausende Soldaten in zeremonieller Uniform für die Prozession. Entlang der Route haben sich schon hartgesottene Royalisten eingefunden, um sich eine gute Sicht auf das Geschehen zu sichern. König Charles III. besuchte mit Königin Camilla am Dienstag Nordirland. Auch in Papua-Neuguinea wurde Charles inzwischen offiziell zum Staatsoberhaupt ernannt.

Mit einem Gottesdienst wurde in Belfast der Queen gedacht. König Charles III. und Camilla waren am Dienstag an der St.-Anne-Kathedrale in der nordirischen Hauptstadt mit lautem Jubel begrüßt worden. Der Bischof von Connor, George Davison, geleitete das Königspaar zu seinen Plätzen in der erste Reihe. Auch die britische Premierministerin Liz Truss und der irische Regierungschef Micheal Martin nahmen an dem Gottesdienst teil. Ebenso gekommen waren Irlands Präsident Michael D. Higgins und die Chefs der nordirischen Parteien.

Zum Staatsbegräbnis, bei dem am Montag (19.9.) Hunderte Staats- und Regierungschefs, Angehörige von Königshäusern und andere Würdenträger in London erwartet werden, darunter US-Präsident Joe Biden und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sind Vertreter Russlands unerwünscht.

Einem Medienbericht zufolge erhielten Vertreter von Russland und Belarus, gegen die Großbritannien wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zahlreiche Sanktionen erlassen hat, sowie das südostasiatische Myanmar keine Einladung. Die Nachrichtenagentur PA berichtete unter Berufung auf Regierungskreise außerdem, dass der Iran, zu dem die diplomatischen Beziehungen belastet sind, lediglich auf Botschafterebene vertreten sein solle.

Festnahme von Monarchie-Gegnern entfacht Debatte

Nach Festnahmen von Monarchie-Gegnern während der Zeremonien für die Queen gibt es in Großbritannien auch eine Debatte über womöglich mangelnde Meinungsfreiheit. Ruth Smeeth, die Chefin der Organisation Index on Censorship, bezeichnete die Festnahmen nach Protestäußerungen gegen die Monarchie der BBC zufolge als «sehr besorgniserregend». Die royalen Zeremonien dürften weder absichtlich noch unbeabsichtigt die Meinungsfreiheit der Bürger einschränken.

In Schottland wurden in den letzten Tagen zwei 22-Jährige wegen Landfriedensbruchs festgenommen, die bei der Ausrufung des neuen Königs Charles III. sowie einem Trauerzug für die Queen protestiert hatten. Am Dienstag folgte bei einem der beiden Demonstranten, der sich explizit gegen Prinz Andrew gewandt hatte, die Anklage. Andrew (62) ist wegen seiner Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein besonders umstritten.

Auch in der englischen Universitätsstadt Oxford gab es eine Festnahme. Außerdem zeigten Videoaufnahmen aus London, wie die Polizei eine Frau mit einem Schild mit der Aufschrift «Not my King» («Nicht mein König») vom Eingang des Parlaments wegschickte.

Jodie Beck von der Organisation Liberty sagte der BBC zufolge, es sei sehr beunruhigend, dass die Polizei ihre Befugnisse in einer hart durchgreifenden und bestrafenden Art und Weise nutze. Die Londoner Metropolitan Police wies auf die enorme Herausforderung für die Polizei bei den royalen Massenereignissen hin, versicherte jedoch auch, die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Protest.

Bei seinem ersten Besuch als König in Nordirland wurde Charles am Dienstag mit Jubel und Salutschüssen empfangen. Der Monarch und seine Ehefrau schüttelten vor der königlichen Residenz Hillsborough viele Hände und sahen sich Hunderte Blumensträuße vor dem Schloss an. Schulkinder schwenkten britische Fahnen.

Der König traf in Hillsborough zunächst den britischen Nordirland-Minister Chris Heaton-Harris sowie Vertreter der politischen Parteien. Es war insgesamt Charles‘ 40. Besuch in der früheren Bürgerkriegsprovinz Nordirland.

Bei seinem Besuch wurde auch der Einsatz seiner gestorbenen Mutter um den Frieden in der früheren Bürgerkriegsregion gewürdigt. Die Queen habe den Konflikt und die gesellschaftlichen Umwälzungen nicht aus der Ferne betrachtet, sagte der Präsident des Regionalparlaments, Alex Maskey, am Dienstag auf Schloss Hillsborough. Vielmehr habe die Monarchin dazu beigetragen, Barrieren abzubauen und zu versöhnen.

Beim globalen Streamingdienst Netflix schnellte in den vergangenen Tagen die Abrufzahl der Queen-Serie «The Crown» nach oben. Wie das Branchenblatt «Variety» unter Berufung auf Zahlen des Analyse-Unternehmens Whip Media berichtete, stieg die Zahl in Großbritannien am Wochenende deutlich. Von einer ähnlichen Entwicklung berichtete das Magazin in den USA und anderen Ländern.

Seit 2016 inszeniert Netflix in seiner preisgekrönten Serie das Leben der britischen Royals. Bislang spielten Claire Foy (38) und Oscar-Preisträgerin Olivia Colman (48) die Queen. In der ab November anstehenden fünften Staffel mit Imelda Staunton (66) als Queen geht es voraussichtlich um die frühen 90er-Jahre, in denen sich die Beziehung von Charles und Diana weiter verschlechterte.